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 Du bist wochenlang auf „Achse“. Große und kleinere Projekte, Präsentationen, Workshops, neue Kontakte … Boxenstation zu Hause, Koffer umpacken, neu beladen.
Du gibst Dein Bestes, versuchst, den Spannungsbogen zu halten. Hast den Kalender im Kopf und weißt genau, wie viele Tage es noch sind, bis Du drei Tage frei hast.
DREI TAGE und dann noch ein Wochenende. Eine luxuriöse Vorstellung! Immer wieder taucht sie auf, wenn Du den Kalenderfilm abspulst und Dir Dein Reise-Mantra vorsagst: morgen in Berlin, mit der Abendmaschine nach Frankfurt, mit dem Taxi in den Taunus, der Weiterflug nach Hamburg ist noch zu bestätigen, die ICE Verbindung zu prüfen… Aber dann … wenn das alles (hoffentlich gut!) gelaufen sein wird, dann: die-drei-Tage-Vision- mit angehängtem Wochenende steigt allmählich auf, legt sich wie ein Schutzfilm über sensible Nervenenden, macht süchtig nach mehr Bildern. Was in diesen drei Tagen mit angehängtem Wochenende alles getan werden kann und muss! Am ersten Tag mindestens bis Mittag schlafen und ganz lange brunchen. Kein E-mail, Handy abgedreht. Die Bilder suchen einen Fokus. Wir sind ja erst am frühen Nachmittag des ersten Tages. Die Vorhänge müssen in die Reinigung. Nein, nicht, der neue Krimi …
Die Wirklichkeit holt Dich zurück und Du packst den Koffer für die nächste Reise. Du bist unkonzentriert und wirst es später bedauern, weil Du Deine Augencreme, das rote Shirt (das einzige, das zum mitgenommenen Anzug wirklich passt), das Reise-an-zuhause-denken-Kultteil und die Einladung für den Workshop zurücklässt. Mist. Da ist die Telefonnummer des Taxis notiert, das Dich – nicht wie vereinbart bei Ankunft am heutigen Zielort - abholt. Und später beim Auspacken des Koffers: das gibt’s doch nicht, passiert Dir doch sonst nie: nur ein braunes Oberteil! Zum blauen Anzug. Das geht gar nicht, so kannst Du nicht unter Menschen. Es wird Zeit, dass die Tour zu einem Ende kommt!
Und die drei-Tage-mit … drängen sich wieder in die Synapsen und die Transmitterflüssigkeiten schiessen nur noch drei-Tage-mit-Informationen durch das Gehirn.
Jetzt fehlt auch noch der Reisewecker! Und in diesem Moment schleudert sich Dein BlackBerry selbständig zu Boden. Entsetzt siehst Du, wie er sich in drei Teile auflöst. Nein, es geht nicht mehr… Aber Du bleibst dran. Durchhalten hast Du gelernt.
Irgendwann hast Du es geschafft. Angenehm erschöpft trittst Du die Reise zu den ersehnten drei Tagen an. Du beobachtest die Business-Menschen rund um Dich, wie sie sich in ihren lap-tops vergraben und in ihre Ohrwürmer reden. Du hast nichts dergleichen in Händen oder am Kopf. Du schaust nur noch … und bei der Ansage „fasten your seat-belts“ schläfst Du schon.
Du steigst aus dem Flugzeug und bist zu müde, Dich zu ärgern, weil das Gepäck nicht kommt. Irgendwann bist Du dann zu Hause. Bekommst was zu essen und schläfst gleich wieder ein. Koffer stehen im Flur. Keiner wird mehr ausgepackt. Morgen kannst Du schlafen und alles, alles in Ordnung bringen.
Von Ferne hörst Du ein Geräusch. Es arbeitet sich in Deinen Traum. Wird immer mächtiger. Du hast den Eindruck, als würde sich Dein Bett bewegen. Langsam wachst Du auf. Es ist der erste Morgen der drei Tage. 7.15 Uhr zeigt die Radiouhr, die Geräusche sind infernalisch. Du schleppst Dich zum Fenster. Und siehst: 5 LKW mit Tiefbauladegut, 1 Presslufthammer, vielleicht 10 Bauarbeiter, die eine Absperrung errichten.
Und Du willst es nicht wahrhaben: sie eröffnen DIESELBE Baustelle, die sie vor wenigen Wochen abgeschlossen haben, wieder!
Du schließt alle Fenster, aber der Geräuschpegel ist unüberhörbar. Die Luft ist stickig. Du nickst irgendwie ein und hörst eine Glocke. Einmal, zweimal, versteht denn KEINER, dass Du HEUTE an Deinem ersten der drei freien Tage SCHLAFEN willst? Dreimal ganz lang. Augen auf und durch: 8.10 Uhr: die Post ist da!
Einmal noch. Alle Vorhänge zu. Handy ist ausgeschaltet. Vorsichtig streckst Du Dich aus (ziemlich unentspannt sieht das aus) und Du weißt es jetzt schon; – gleich wirst Du wieder hochschrecken, weil der Festnetzanschluss klingelt und Dein Büro was von Dir braucht.
Um 9.15 Uhr hast Du von Deinem Büro eine dringende Anfrage eines Kunden vermittelt bekommen, der leider nur heute Vormittag zu erreichen ist. OHNE Frühstück klemmst Du Dich hinter den lap-top, weil Du für das Telefonat einige Informationen brauchst. …
Zu Mittag willst Du die drei-Tage-mit noch mal von vorn beginnen. Alle Anrufe sind ja getätigt, die Post war da, die Baustelle hat Mittagspause. Voll Elan beginnst Du – was? Du ertappst Dich, wie Du Dich umblickst. Eine Zeitung in der Hand. Die lässt Du wieder fallen. Irgendwie stimmt was nicht mit Dir. Da hilft Sport. Also Sporttasche packen und ab aufs Rad und ins Fitness-Studio. Und in diesem Moment verdunkelt sich der Himmel und ein dicker Regenguss prasselt nieder. Nebel steigt auf. Alles ist grau, dunkelgrau. Rausgehen? Nein, zu nass.
Jetzt ist die Zeit gekommen, wo Du Deinen lange fälligen Artikel schreiben kannst. Im Wetterbericht hörst Du, dass nach dem Wochenende der Sommer endgültig kommen wird. Und dann konkretisiert sich ein Gedanke: was wird nach den drei-Tagen-mit-angehängtem-Wochenende auf Dich warten?

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