unsystemischer Ratschlag
Die Kreise vergrößern ...
oder der Goldfisch schwimmt und schwimmt und schwimmt.

Stellen Sie sich einen Goldfisch vor, der seit eh und je in seinem kleinen Glas Kreise schwimmt. ... Stellen Sie sich vor, dass dieser Goldfisch eines Tages ein richtig großes Aquarium bekommen hat. Aber er merkt davon nichts. Denn er ist ja ganz darauf konzentriert, seine kleinen Kreise zu ziehen. Er schwimmt und schwimmt wie zuvor, zieht kleinen Kreis um kleinen Kreis. ... Der Goldfisch schwimmt nun mit dem - für ihn selbst in seiner Bewußtseinslage nicht relevanten - Unterschied zu früher, in der Mitte eines an sich großen Aquariums ... Eine liebgewonnene Gewohnheit, ein ungenutzter Freiraum?

Zurück zu Ihnen. Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Problem. Rund um dieses Problem bewegen sich Ihre Gedanken und Überlegungen im Kreis, im Kreis, im Kreis ... Vielleicht gäbe es aber darum herum noch Platz; - Platz für zusätzliche hilfreiche Gedanken, für andere Sichtweisen, etc. Dazu könnte es sich vielleicht lohnen, sich nachstehende Fragen zu stellen:

Zunächst einmal: Bei allen negativen Seiten, die dieses Problem in sich birgt, wozu ist es eigentlich auch gut?

Und daran anschließend - insbesondere wenn Ihnen bei der Vorfrage nichts eingefallen ist: Wer hat eventuell einen Vorteil davon, wenn diese Problem bestehen bleibt?

Oder, um allem ein bißchen mehr Würze zu geben: Was wäre, wenn das Problem total eskalieren würde? Wer kann dazu konkret etwas beitragen? Was könnten Sie persönlich dazu beitragen? Für wen würde es dabei zuerst eng werden?

Und - auch wenn es etwas komisch klingen mag - möglicherweise ist nämlich ein wenig Hassliebe im Spiel: Was schätzen Sie persönlich daran, daß es so ist, wie es ist?

Und, in Zusammenhang damit: Was tragen Sie selbst dazu bei, dass alles so bleibt, wie es ist?

Oder - um wirklich in einen größeren Kreis zu wechseln: Was wäre, wenn das Problem plötzlich weg wäre? Wem würde dann eventuell etwas fehlen. Was würde Ihnen dann fehlen? Welches Problem würde dann eventuell neu auftreten und für wen?

Und so weiter und so fort. ... Lassen wir es lieber dabei bewenden. Bei aller Attraktivität birgt diese Vorgangsweise nämlich auch eine hinterhältige Gefahr in sich; - die Gefahr, liebgewonnene Gewohnheiten zu verlassen! ... und das kann, wie wir alle wissen, manchmal schon ein wenig weh tun.

Herzlichst Ihre Monika Veith